
Wernig nach 40:43: „Wir müssen uns bei den Fans entschuldigen“
8. November 2026
Nach der 40:43 (19:23)-Heimniederlage gegen die zuvor punktlose HSG Albstadt in der 3. Liga findet Trainer Daniel Wernig deutliche Worte. Vor 240 Zuschauern in der Stadthalle Östringen bleibt die U23 hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

Philipp Alt wirft sieben Tore, am Ende gewinnen aber die Gäste aus Albstadt - Foto: Tanja Sommer
„Wir müssen uns bei den Fans, die heute hier waren, ein Stück weit entschuldigen. Das entspricht nicht dem Anspruch, den wir als Mannschaft haben und den ich als Trainer habe.“ Daniel Wernig suchte nach der 40:43-Niederlage gegen die HSG Albstadt keine Ausreden. Der Trainer der Rhein-Neckar Löwen übernahm die Verantwortung für einen Auftritt, der ihn vor allem wegen der 43 Gegentore und der fehlenden Konsequenz in entscheidenden Spielsituationen enttäuschte.
Ausgerechnet gegen den bislang punktlosen Aufsteiger sollte sich die Entwicklung der vergangenen Wochen endlich wieder in einem Sieg niederschlagen. Stattdessen kassierten die Junglöwen ihre neunte Saisonniederlage und ermöglichten Albstadt nach neun erfolglosen Spielen den ersten Sieg in der 3. Liga.
„Wir haben heute verdient verloren“, stellte Wernig fest. „Egal, welchen Sport ich betreibe und welcher Leidenschaft ich nachgehe, ich muss gewisse Grundlagen mitbringen. Das hat die gegnerische Mannschaft heute in vielen Bereichen besser gemacht als wir.“
Albstadt übernimmt früh die Kontrolle
Die Gäste waren nach turbulenten Tagen angereist. Erst am Donnerstag hatte Aufstiegstrainer Andreas Wendel seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Kurzfristig übernahmen Dominik Koch und Kreisläufer Fabian Mayer gemeinsam die Betreuung der Mannschaft. Mayer stand dabei selbst auf dem Spielfeld und steuerte sechs Treffer zum Auswärtssieg bei.
Auf dem Spielfeld zeigte sich die HSG von Beginn an entschlossen. Gregor Thomann traf in der ersten Spielminute doppelt zum 0:2. Die Junglöwen fanden zunächst Antworten, glichen durch Elias Ciudad Benitez zum 4:4 (6.) und wenig später durch Matthis Krauth zum 5:5 aus. Danach übernahmen die Gäste zunehmend die Führung. Aus dem 6:7 wurde ein 6:9, wenig später lag Albstadt mit 8:13 vorne. Die Löwen fanden vor allem defensiv keine ausreichenden Mittel gegen das Angriffsspiel der Gäste. Nach dem 14:20 in der 24. Minute verkürzte die U23 bis zur Pause noch auf 19:23.
Koch sah in dieser Phase einen wesentlichen Unterschied zwischen den Mannschaften. „Wir wussten, dass die Löwen sehr athletisch sind, große Talente haben und mit ihrem Tempo immer wieder zu einfachen Toren kommen“, erklärte der Albstädter Trainer. Seine Mannschaft habe dagegen für die eigenen Treffer arbeiten, geduldig spielen und konsequent in die Tiefe gehen müssen. Für Wernig fehlte es nicht allein an der taktischen Umsetzung. Er vermisste grundlegende Eigenschaften, die im Kampf um Punkte entscheidend sind: „Ob das die Gier ist, die Zweikampfhärte oder diese Wucht, die man entwickeln muss, um ein Spiel zu gewinnen – da war uns der Gegner heute voraus.“
Aufholjagd ohne Wende
Auch nach dem Seitenwechsel gelang es den Junglöwen zunächst nicht, das Spiel zu drehen. Albstadt baute seine Führung auf 19:26 (33.) aus und hielt die Gastgeber mit einer konsequenten Angriffsleistung auf Abstand. In der 46. Minute stand es 27:34.
Die Löwen steckten allerdings nicht auf. Philipp Alt, Lucas Pabst und Jan Kraft gehörten zu den treffsichersten Spielern und erzielten jeweils sieben Tore. Auch Neuzugang Klaudio Hranjec setzte mit vier Treffern Akzente. Mit zunehmender Spieldauer verkürzte die U23 den Rückstand. Beim 33:35 durch einen Siebenmeter von Jan Kraft in der 52. Minute war die Begegnung wieder offen. Über 35:37 und 36:38 blieb die Hoffnung auf eine Wende bestehen.
Doch die Gäste behaupteten ihren Vorsprung. Insbesondere Gregor Thomann war mit zwölf Treffern kaum zu stoppen. Sein Bruder Julian steuerte acht Tore bei, Fabian Mayer erzielte sechs Treffer. Als Albstadt kurz vor Schluss auf 37:42 erhöhte, war die Vorentscheidung gefallen. Die Junglöwen verkürzten noch auf 40:42, ehe Mayer mit dem 40:43 den Endstand herstellte.
„Die Jungs haben gekämpft bis zum Umfallen und sich diese zwei Punkte absolut verdient“, lobte Koch seine Mannschaft. Besonders bemerkenswert sei für ihn der Zusammenhalt nach den schwierigen Tagen gewesen. „Man sieht, dass die Mannschaft intakt ist. Wenn man die Tabelle nicht kennen würde, würde man nicht erkennen, dass hier der Tabellenletzte gespielt hat.“
Wernig fordert eine ehrliche Aufarbeitung
Bei den Löwen überwog dagegen die Enttäuschung. Trotz 40 eigener Tore blieb die U23 ohne Punkte. Für Wernig war die Defensivleistung ein besonders deutliches Warnsignal. „Wenn man zu Hause 43 Gegentore gegen einen Gegner bekommt, der zuletzt nicht gerade mit positiven Erlebnissen angereist ist, müssen wir sehr hart zu uns selbst sein“, sagte der Trainer. Er verwies zugleich auf die hohen sportlichen Ziele vieler Spieler, die perspektivisch den Sprung in die erste oder zweite Liga schaffen wollen.
„Die Jungs haben Ansprüche ohne Ende. Diesen Ansprüchen werden wir momentan nicht gerecht. Da muss man sich wirklich hinterfragen und sehr kurzfristig Lösungen finden.“ Eine mögliche Erklärung sieht Wernig in der Unerfahrenheit seiner Mannschaft. Zahlreiche Spieler stehen noch am Anfang ihrer Laufbahn im Männerhandball. Auch die sportlichen Rückschläge der vergangenen Wochen hätten Spuren hinterlassen. „Vielleicht war für die junge Mannschaft der Druck aufgrund der Tabellensituation heute etwas zu hoch. Das habe ich schon gespürt“, räumte Wernig ein. Als Entschuldigung wollte er diesen Umstand jedoch nicht gelten lassen.
Stabilität, Ruhe und Klarheit
Für die kommenden Tage kündigte der U23-Trainer eine intensive Auseinandersetzung mit der Situation an. Dabei gehe es auch darum, die jungen Spieler wieder aufzurichten und ihnen Sicherheit zu vermitteln. „Wir brauchen Stabilität, wir brauchen Ruhe, wir brauchen Klarheit“, betonte Wernig. „Wir müssen den Jungs wieder mehr Freude an einzelnen Situationen vermitteln. Aber am Ende muss die Leistung im Vordergrund stehen.“
Die Spieler müssten lernen, trotz äußerer Einflüsse und der besonderen Anforderungen im Nachwuchsleistungshandball den Fokus auf ihre Aufgabe zu richten. „Das ist ein ganz großer Entwicklungsschritt, den wir den Jungs aufzeigen müssen“, erklärte Wernig. Zunächst gelte es, die Ereignisse aufzuarbeiten und sich auf die kommende Trainingswoche zu konzentrieren.
Für Albstadt bedeutete der Erfolg dagegen einen Wendepunkt nach neun Niederlagen. Koch sprach von einer enorm wichtigen Chance, die seine Mannschaft genutzt habe. „Das Team hat funktioniert. Das Team hat gewonnen. Darauf sind wir sehr stolz.“
Highlights
83 Treffer, ein torreiches Duell und ein bitteres Ende für die Junglöwen. Die Highlights der Partie gibt es hier im Video.
Trainerstimmen
Nach dem 40:43 sprechen die Trainer Daniel Wernig und Dominik Koch über die Partie. Wernig übt deutliche Selbstkritik, übernimmt Verantwortung und spricht über die fehlende Stabilität seiner jungen Mannschaft. Nach 43 Gegentoren fordert er eine ehrliche Aufarbeitung und schnelle Lösungen. Koch berichtet von turbulenten Tagen nach dem Rücktritt von Andreas Wendel. Er erklärt, wie das neu zusammengestellte Trainerteam die Mannschaft auf das Spiel vorbereitet hat und welche Bedeutung der erste Saisonsieg für den Aufsteiger hat.
Klaudio Hranjec ist ebenfalls zu Gast. Der 30-jährige Neuzugang erzählt, wie sein kurzfristiger Wechsel von der TSG Münster zustande kam und welche Ziele er mit den Junglöwen verfolgt.
Statistik
Rhein-Neckar Löwen U23 – HSG Albstadt 40:43 (19:23)
Rhein-Neckar Löwen U23: Thomas Jendrsczok, Luca Zapp, Maximilian Herb – Matej Alexander Simicic, Noah Oremek (1), Jan Day (3/1), Lucas Pabst (7), Tarik Cem Graf (1), Elias Ciudad Benitez (3), Matthis Krauth (4), Adam Józsa (1), Philipp Alt (7), Tim Löhr (2), Jan Kraft (7/1), Klaudio Hranjec (4), Julian Baumhauer. Trainer: Daniel Wernig.
HSG Albstadt: Julian Malek, Julian Mayer – Julian Thomann (8), Dennis Fuoß (1), Fynn Menzel, Fabian Mayer (6), Elias Flügel (2), Gregor Thomann (12/1), Simon Flügel, Vladimir Tadic (3), Lasse Fuchs (5), Tim Bänsch (1), Noa-Gabriel Alilovic (5), Tim Deuringer, Paul Dupé. Trainerteam: Dominik Koch/Fabian Mayer
Schiedsrichter: Benedikt Steinebach / Philipp Schürhoff (Netphen)
Zuschauer: 240 (Erich-Bamberger-Stadthalle Östringen)
Siebenmeter: RNL 3/2 – HSG 2/1
Zeitstrafen: Baumhauer, Hranjec (2), Kraft – Thomann (2), Alilovic
Spielfilm: 0:2 (1.), 4:4 (6.), 5:5 (7.), 6:9 (10.), 8:13 (15.), 11:16 (20.), 14:20 (24.), 19:23 (Halbzeit) – 19:26 (33.), 23:28 (38.), 27:34 (46.), 30:35 (48.), 33:35 (52.), 35:37 (54.), 36:38 (56.), 37:42 (57.), 40:42 (60.), 40:43 (Endstand)
Bildergalerie
📷 Tanja Sommer
