
„Die Jungs sollen spüren, dass sich harte Arbeit auszahlt“
27. August 2026
Mit Daniel Wernig hat die U23 der Junglöwen zur Saison 2026/27 einen neuen Cheftrainer. Im Interview spricht er über seine ersten Eindrücke, die Arbeit mit jungen Talenten, die Zusammenarbeit mit Holger Löhr und seine Ziele für die neue Saison.

Daniel Wernig (Bildmitte) bei der Vorstellung im März mit Tobias Scholtes (links) und Rolf Bechtold
Daniel, du bist seit dem 1. Juli bei den Junglöwen. Wie sind deine ersten Eindrücke?
Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben und hatte vom ersten Tag an ein sehr gutes Gefühl. Besonders positiv überrascht haben mich das Gruppen- und Familiengefühl, die Philosophie und die Strukturen. Auch die Trainingsbedingungen im Leistungszentrum Kronau entsprechen genau dem, was ich mir gewünscht und erhofft habe. Ich freue mich sehr, jetzt Teil davon zu sein.
Was hat dich nach sechs Jahren bei deiner bisherigen Station zu diesem Wechsel bewogen?
Für mich war irgendwann der Punkt gekommen, noch einmal andere Einblicke zu bekommen und einen neuen Reiz zu setzen. Die Arbeit im Ausbildungsbereich mit einer U23 und jungen Spielern, die den Sprung in die Bundesliga schaffen wollen, ist für mich eine neue Aufgabe und hat mich extrem gereizt. Gleichzeitig sehe ich darin auch für mich selbst einen großen Mehrwert. Mit Martin Berger, Holger Löhr, Tobias Scholtes oder Rolf Bechtold gibt es hier viele Menschen, von denen ich lernen kann. Als dann das Angebot kam und sowohl beruflich als auch familiär alles gepasst hat, habe ich mich ganz bewusst für diesen Schritt entschieden.
Was möchtest du den jungen Spielern auf ihrem Weg Richtung Bundesliga vermitteln?
Ich glaube, dass viele unterschätzen, wie viel man investieren muss, um sich nachhaltig in der Bundesliga durchzusetzen. Es geht nicht nur darum, dort einmal anzukommen, sondern sich im Konkurrenzkampf dauerhaft zu behaupten. Dafür braucht es Fleiß und Gier, aber gleichzeitig auch Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und klare Werte. Wir wollen die Jungs so gut wie möglich auf diesen Weg vorbereiten. Kommunikation und viele Gespräche spielen dabei für mich eine ganz entscheidende Rolle.
Du hast dich bereits intensiv mit der Mannschaft beschäftigt. Wie schätzt du das Team ein?
Ich habe viele Videos gesehen und in den ersten Wochen sehr viele Gespräche geführt – mit Holger, mit dem Umfeld und natürlich mit den einzelnen Spielern. Dabei habe ich mich intensiv damit beschäftigt, wo jeder gerade steht. Was mich beeindruckt, ist die individuelle Qualität. Die Jungs sind sehr gut ausgebildet. Unsere Aufgabe wird nun sein, diese Qualität noch stärker in ein gemeinsames Spielsystem zu bringen. Genau darin kann eine unserer größten Stärken liegen.
Wie schwierig ist der Spagat zwischen individueller Entwicklung und dem sportlichen Anspruch in der 3. Liga?
Das ist wahrscheinlich eine unserer größten Aufgaben als Trainerteam. Natürlich wollen wir so früh wie möglich den Klassenerhalt sichern. Gleichzeitig müssen wir immer Entscheidungen treffen, die für die Spieler sinnvoll sind. Dabei geht es darum, wo ein Spieler aktuell am meisten profitieren kann: in der U23, bei Einsätzen in der U19 oder vielleicht auch durch die Möglichkeit, bei den Profis dabei zu sein. Dafür braucht es einen engen Austausch innerhalb des Trainerteams. Dieser Spagat ist nicht einfach, aber genau darin liegt auch der Reiz unserer Arbeit.
Welche Rolle spielt für dich die Teamchemie?
Eine sehr große. Handball ist ein Teamsport, und deshalb muss es uns gelingen, unterschiedliche Charaktere zusammenzubringen. Jeder muss bereit sein, für den anderen alles zu geben und zu investieren. Gerade bei einer jungen Mannschaft ist es wichtig, dass sich neue oder noch jüngere Spieler schnell wohlfühlen. Wenn die Teamchemie stimmt, schafft man die Voraussetzungen dafür, dass jeder seine Leistung abrufen kann. Für mich gehört dazu auch die Fähigkeit, sich schnell an neue Situationen anzupassen und unter Druck Lösungen zu finden.
Hilft dir deine eigene Erfahrung als Spieler im Umgang mit den jungen Talenten?
Auf jeden Fall. Ich glaube, dass ich dadurch ganz gut spüren kann, wo die Jungs gerade stehen und was sie brauchen. Ich habe einen vergleichbaren Weg selbst erlebt und merke, dass dadurch zunächst eine gewisse Verbindung entsteht. Natürlich erleichtert die eigene aktive Zeit den Einstieg und vielleicht auch die Akzeptanz. Aber letztlich werde ich jetzt als Trainer daran gemessen, welche Inhalte ich vermittle und wie wir uns als Mannschaft entwickeln. Genau das motiviert mich.
Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit Holger Löhr in seiner neuen Rolle als Leiter Leistungshandball?
Ich finde die Rolle sehr spannend und sehe Holger dort auch sehr gut aufgehoben. Bei dieser Aufgabe geht es um den Austausch mit Trainern und Spielern, um Konzepte, Strukturen, Netzwerke und Kommunikation – gerade mit Blick auf die Übergänge zwischen den Mannschaften und die Verzahnung innerhalb des Leistungsbereichs. Ich habe Holger in kurzer Zeit als einen sehr handballverrückten Menschen mit einer hohen sozialen Kompetenz kennengelernt. Wir sind fast täglich im Austausch. Das ist sehr wertvoll, und davon können wir insgesamt nur profitieren.
Mit welchen Zielen und Erwartungen gehst du in die Saison?
Das erste Ziel ist klar: Wir wollen so früh wie möglich den Klassenerhalt sichern. Gleichzeitig möchten wir jeden einzelnen Spieler weiterbringen und als Mannschaft kontinuierlich Fortschritte machen. Große Erwartungen formuliere ich darüber hinaus gar nicht. Ich freue mich einfach darauf, dass es endlich losgeht. Wir wollen dieses Feuer entwickeln, jedes Training und jedes Spiel nutzen und immer gewinnen wollen.

Daniel Wernig
Alter: 38 Jahre
Aktuelle Funktion: Cheftrainer U23 der Rhein-Neckar Löwen
Bei den Junglöwen seit: 1. Juli 2026
Position als Spieler: Rechtsaußen
Stationen als Spieler: TSG Münster, DHC Rheinland, TV 05/07 Hüttenberg, HSG Hanau, TSG Friesenheim
Nationalmannschaft: 12 Jugend-Länderspiele, 37 Junioren-LänderspieleJunioren-Vizeeuropameister 2004
Trainerstation: Sechs Jahre Cheftrainer der TSG Münster
Besonderheit: Bringt eigene Erfahrung aus dem Bundesliga-Handball mit und arbeitet bei den Junglöwen erstmals schwerpunktmäßig im Ausbildungsbereich mit einer U23.
